08.12.2017

Entwicklung der Berufsorganisation: Obermeister diskutieren Ist und Soll

Wie zufrieden sind Mitglieder mit ihrer Innung? Welche Leistungen wünschen sie sich? Wie können Nicht-Mitglieder von dem „Produkt Innung“ überzeugt werden? Und was muss getan werden, um die Berufsorganisation als solche zu stärken? Die Obermeister der baden-württembergischen SHK- und OL-Innungen sowie der Behälter- und Apparatebauer-Innung diskutierten diese Fragen Ende November in Stuttgart bei einer äußerst intensiven und konstruktiven Obermeisterversammlung.

Mit Spannung erwarteten einige Obermeister die Ergebnisse ihrer Mitgliederbefragung und den Vergleich mit anderen Innungen. Der Fachverband hatte den Innungen im Vorfeld auf freiwilliger Basis ein Online-Befragungstool zur Verfügung gestellt, mit dem sie ihre Mitglieder zu Innungsthemen befragen konnten. Die anonym dargestellten Ergebnisse ermöglichen so zum einen die Einschätzung des Leistungsstands der eigenen Innung als auch einen annähernden Vergleich mit anderen. Aus den Resultaten ließ sich vor allem herauslesen, dass das „Produkt Innung“ noch immer gefragt ist. Fundierte Informationen und Beratungsleistungen sind nach wie vor entscheidende Kernkompetenzen. Jedoch kommt die Mitgliedergewinnung, vor allem der junger Betriebe, deutlich zu kurz. Wie Mitgliederwerbung erfolgreich gestaltet werden kann, das erörterten die Obermeister im Anschluss ausführlich.

Schlagkräftige Berufsorganisation


Dass die Mitgliederstruktur nicht allein aus finanzieller Sicht wichtig für eine Berufsorganisation ist, sondern entscheidend für die Lobbyarbeit und deren „Schlag- und Strahlkraft“ zeigte der Fachverband-Vorsitzende Joachim Butz anhand der energie- und klimapolitischen Entwicklungen im laufenden Jahr auf. Als Beleg dafür spreche beispielsweise die Tatsache, dass das baden-württembergische Umweltministerium auf den Fachverband mit Leitfragen zu der Studie „Energie- und Klimaschutzziele 2030“ zugegangen ist und um eine Stellungnahme hierzu gebeten hat.

Keinesfalls dürften die Betriebe die Augen vor den Konsequenzen aus dem Klimaschutzplan 2050 verschließen und darauf hoffen, dass alles nicht „so heiß gegessen, wie es gekocht wird“. Der Geschäftsführer des Fachverbandes Dietmar Zahn machte deutlich, dass der Klimaschutzplan den Wärmemarkt elementar verändern wird. Er zeigte auf, welche Folgen auf die SHK-Betriebe in Baden-Württemberg zukommen werden. „Jeder SHK-Betrieb muss sich bereits heute fragen: Ist mein Geschäftsmodell auch in Zukunft noch tragfähig?“, so Zahn.

Kritisch sah der Vorsitzende Butz das Scheitern der Sondierungsgespräche angesichts der Tatsache, dass die Politik genau jetzt die gesetzlichen Leitplanken setzen müsste, um das Erreichen der Klimaschutzziele tatsächlich zu ermöglichen. Erste Priorität habe das Beseitigen des Sanierungsstaus in den Heizkellern. Daher spreche sich der Fachverband bei seinen Gesprächen mit der Politik für eine steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung aus ebenso wie für die Fortsetzung der Austauschförderung für Gas-Heizkessel nach 2020. „Dogmatische Ansätze wie die vollständige Dekarbonisierung zugunsten der kompletten Elektrifizierung des Wärmemarktes sind ein Irrweg“, so Butz, „wir kämpfen für Technologieoffenheit im Wärmemarkt.“