06.11.2017

GasPerspektive Baden-Württemberg Branchendialog 2017

Welche Rolle wird Gas im Wärmemarkt zukünftig spielen? Welche Perspektiven haben Power-to-Gas, Gas-Brennstoffzellen, -Wärmepumpen und -BHKW? Diese zentralen Fragen haben Experten beim Branchendialog „GasPerspektive Baden-Württemberg“ diskutiert. Zu der neu initiierten Veranstaltung am 18. Oktober in der Stuttgarter Liederhalle hatten der Fachverband Sanitär-Heizung-Klima (SHK) Baden-Württemberg, der Verband für Energie- und Wasserwirtschaft (VfEW) sowie die Landesgruppe Baden-Württemberg des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) eingeladen.

Mit den von der Bundesregierung im Klimaschutzplan 2050 vorgesehenen Klimaschutzmaßnahmen setzt sich die Gebäudetechnikbranche intensiv auseinander. Der Vorsitzende des Fachverbandes SHK Baden-Württemberg, Joachim Butz, bekräftigte, dass die Steigerung der Energieeffizienz und die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien der richtige Weg seien, die gesteckten Ziele zu erreichen. Für diesen Weg müsse „das ganze Arsenal an erneuerbaren Energien“ genutzt werden. Dem pflichtete John Werner, Leiter der Unternehmensentwicklung & Strategie bei Zukunft Erdgas bei: „Wir brauchen eine technologieoffene Umsetzung, denn die Energiewende muss bezahlbar bleiben. Ein ‚all electric‘ würde zu einer hohen Kostenbelastung für die Verbraucher führen.“

Die Perspektiven für die Gaswirtschaft zeigte Karl Greißing, Ministerialdirigent beim Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg auf. Die Gasversorgung sei auch weiterhin eine wichtige Säule des Energiesystems, insbesondere in Verbindung mit dem Einsatz von erneuerbaren Energien.

Voraussetzung dafür, darüber waren sich die Experten einig, ist der Erhalt der Gasinfrastruktur. Derzeit sind rund 50 Prozent der deutschen Haushalte an die Gasversorgung angeschlossen. Dem Erdgas würde bereits heute erneuerbare Energie in Form von Biogas und Wasserstoff beigefügt. Für die Zukunft ließe sich diese Infrastruktur nutzen, um die Gebäude mit synthetischem Methan zu versorgen.

Wolfgang Köppel vom Engler-Bunte-Institut, Forschungsstelle Gastechnologie, verwies auf die größte Herausforderung der Energiewende: der Speicherung von Energie. Im Sinne der Versorgungssicherheit müsse eine ausreichende Energieversorgung auch dann gewährleistet sein, wenn im Winter kein Wind weht und keine Sonne scheint. Die Stromspeicherung sei deutlich aufwändiger als die Speicherung von Gas. Zudem würde die zeitliche Speicherkapazität von Strom derzeit gerade einmal 36 Minuten entsprechen. Die entsprechenden Gaskapazitäten reichen hingegen etwa drei Monate.

Untermauert wurden die Positionen der Fachleute durch eine vor wenigen Wochen veröffentlichte Studie. In dem im Auftrag des Umweltministeriums Baden-Württemberg erstellten Forschungsbericht „Energie- und Klimaschutzziele 2030“ wird die Bedeutung von „Power-to-Gas“ zur Energieversorgung hervorgehoben, der synthetischen Herstellung von Methan mit Strom aus erneuerbaren Quellen. Dies bekräftigte auch Markus Baumgärtner, Leiter der Wertschöpfungskette Gas bei der EnBW Baden-Württemberg. Power-to-Gas sei unverzichtbar für die Energiewende. Jedoch müsse die derzeitige steuerliche Benachteiligung aufgehoben werden.

„Ohne eine funktionierende Gasversorgung sowie den Einsatz von grünem Gas ist die Energiewende nicht zu bewältigen“, ist sich der Geschäftsführer des VfEW, Torsten Höck, sicher.