15.11.2017

Quo vadis Energiewende? Antworten lieferte SHKontakt

„Qualifizierte SHK-Fachkräfte sind Schaffer und Lotsen der Energiewende“, unterstrich der Fachverband-Vorsitzende Joachim Butz. Das spreche für eine Laufbahn im Handwerk, für eine „Karriere mit Lehre“

Gäste aus Politik und Verwaltung sowie Vertreter aus Handwerk, Industrie, Handel, aus dem Bildungssektor und von Energieversorgern nutzten den Gebäude- und Energietechnik-Treff zum Austausch und Netzwerken.

Fanden schlüssige Antworten auf die Frage, wie die Energiewende in Baden-Württemberg erfolgreich gestaltet werden kann: (v.li.) Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker, Maike Schmidt vom ZSW und der Fachverband-Vorsitzende Joachim Butz.

Beim Schätzspiel galt es abzuwägen, wie sich die CO2-Emissionen im Gebäudebereich entwickeln würden, wenn das gegenwärtige Anforderungsniveau und die Sanierungsrate konstant blieben.

Welche Maßnahmen in Baden-Württemberg umgesetzt werden müssen, damit die Energiewende erfolgreich gestaltet werden kann – darüber diskutierten mehr als 100 geladene Gäste beim „SHKontakt – Gebäude- und Energietechnik-Treff Baden-Württemberg“ am 14. November im Stuttgarter Neuen Schloss.

Während zeitgleich die Delegierten bei der Weltklimakonferenz in Bonn konkrete Regelungen für das Pariser Klimaschutzabkommen erarbeiteten, ging es bei der Veranstaltung des Fachverbandes um die Konsequenzen aus dem Klimaschutzplan 2050. Konkret standen die Fragen im Fokus, welche Technologien damit eine Zukunft im Gebäudebereich haben werden und wie die SHK-Branche die Energiewende mit realisieren kann.

Vor Vertretern aus Politik und Verwaltung, Partnern aus Handwerk, Industrie, Handel sowie aus dem Bildungssektor und von Energieversorgern forderte der Fachverband-Vorsitzende Joachim Butz eine technologieoffene und energieträgerneutrale Herangehensweise. Dabei müssten alle effizienten Heiztechnologien eingesetzt werden, in erster Linie die auf Basis der erneuerbaren Energien. Für künftige Power-to-X-Anwendungen sei der Erhalt bestehender Infrastrukturen unumgänglich. „Evolution statt Revolution“ laute die Devise. Gleichzeitig appellierte Butz an die Politik, die Bürgerinnen und  Bürger in dem Entwicklungsprozess mitzunehmen. Der Modernisierungsstau werde nur beseitigt und die Sanierungsquote angehoben, wenn für Eigentümer attraktive Anreize geschaffen würden. Diese sollten über die bestehende Zuschuss- und Kreditförderung hinaus auch steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten beinhalten.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie „Energie- und Klimaziele 2030“ für den Gebäudesektor präsentierte Maike Schmidt, Projektleiterin beim Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg. Wissenschaftler haben in dem vom Umweltministerium geförderten Forschungsvorhaben ein Zielszenario entwickelt, das eine Grundlage für die Weiterentwicklung des Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzeptes Baden-Württemberg, IEKK, und des Klimaschutzgesetzes Baden-Württemberg bildet.

Die Expertin betonte, dass auch im Jahr 2050 nicht eine Technik für den gesamten Gebäudebereich die Lösung bieten werde, sondern dass ein Technologienmix nötig sei. Langfristig könne die im Klimaschutzgesetz geforderte Treibhausgasminderung um 90 Prozent bis zum Jahr 2050 in Baden-Württemberg nur über den Einsatz synthetischer Energieträger erreicht werden. Gleichzeitig gehen die Wissenschaftler bei den Wohngebäuden von einer hohen Ausnutzung der Wärmenetzpotenziale aus, von einem ambitionierten Ausbau des Wärmepumpenmarktes und einem starken Zuwachs von Holz als Brennstoff, allerdings in effizienteren Kesseln. Solarthermieanlagen werden 2050 in rund 60 Prozent der Wohngebäude – fast ausschließlich zur Heizungsunterstützung – eingesetzt.

„Die Ziele sind nur mit flächendeckend sehr ambitionierten Sanierungen erreichbar“, prognostizierte Schmidt. Voraussetzung sei darüber hinaus die Anpassung der Rahmenbedingungen auf Bundesebene, beispielsweise die Einführung einer CO2-Bepreisung für fossile Energieträger.

„Wieder einmal hat der Gebäude- und Energietechnik-Treff 2017 bewiesen, dass das Format dieser Netzwerk-Veranstaltung bestens geeignet ist, um in den Dialog zu treten und Denkanstöße zu geben“, zog der Fachverband-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker ein positives Fazit.

Alle Schwerpunktthemen gibt es zum Nachlesen auch in der unten stehenden kompakten "Argu-Karte" als auch in dem ausführlicheren "Denkanstöße"-Papier. Bei Interesse kann beides auch beim Fachverband angefordert werden.