21.07.2017

Verbandstag 2017 hat neue Maßstäbe gesetzt

Johannes Warth bei der Jonglage

Der Fachverband zeichnete die Sieger des Praktischen Leistungswettbewerbes der Handwerkerjugend im Rahmen der Öffentlichen Mitgliederversammlung aus: Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker (1. v. l.) und Vorsitzender Joachim Butz (1. v. r.) mit den Preisträgern (v. l.): Dominik Hertenberger, Anlagenmechaniker SHK, Katharina Ebi, Ofen- und Luftheizungsbauerin, und Kevin Kirr, Behälter- und Apparatebauer.

Sowohl was Qualität als auch was Quantität angeht, hat der Verbandstag 2017 in Überlingen neue Maßstäbe gesetzt. Eine herrliche Seekulisse bei bestem Sommerwetter, mehr Teilnehmer als in den Vorjahren und mit dem baden-württembergischen Umweltminister einen hochkarätigen Impulsredner – die Verantwortlichen des Fachverbandes freuten sich über ein äußerst erfolgreiches SHK-Branchentreffen.

Megatrends: Digitalisierung, Energiewende und demographischer Wandel

„Die Zukunft unserer Branche und des Handwerks an sich entscheidet sich nicht allein durch die Frage, inwieweit wir Berufsnachwuchs und Fachkräfte finden“, prognostizierte der Fachverband-Vorsitzende Joachim Butz bei der Öffentlichen Mitgliederversammlung am 7. Juli, „sondern vor allem an der zukunftsgerichteten strategischen Ausrichtung.“ Eine solche will das Projekt „Perspektiven und Dialog Handwerk 2025“ ausarbeiten, die das Wirtschaftsministerium gemeinsam mit dem Baden-Württembergischen Handwerkstag initiiert hat. Auch der Fachverband hat sich in Workshops und Expertenkreisen engagiert. Ziel ist es, die Auswirkungen der drei Megatrends Digitalisierung, Energiewende und Demographischer Wandel zu analysieren und daraus Handlungsempfehlungen für die Handwerksunternehmen zu erarbeiten.

In punkto Digitalisierung rief der Vorsitzender die Betriebe dazu auf, ihre Rolle in der digitalisierten Welt zu finden. Gleichzeitig mahnte er Marktpartner davor, mit aggressiven Online-Vertriebskonzepten dem Handwerk Kompetenzen abzusprechen: „Eine faire und zielführende Marktpartnerschaft mit einer sinnvollen Aufgabenteilung reicht über digitale Grenzen hinaus.“

Evolution statt Revolution

Mut mache der Berufsorganisation die Tatsache, dass die Politik endlich erkannt habe, dass die Formel in Sachen Klimaschutzpolitik lauten muss: „Energiewende = Wärmewende“. Doch im Hinblick auf den Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung appellierte er: „Der Klimaschutzplan darf keine Revolution sein, er muss eine Evolution sein!“. Der Fachverband fordere in diesem Zusammenhang, dass der Einbau neuer Heizungsanlagen auch nach dem Jahr 2020 noch gefördert werde. Des Weiteren setze man sich für eine Beibehaltung der bestehenden Gasinfrastruktur ein, da diese auch über das Jahr 2050 hinaus ein Bestandteil der Wärmeversorgung von Gebäuden sein könne beispielsweise mit „grünem Gas“.

„Lassen Sie uns nicht kurzfristig denken und handeln, sondern mit Weitblick und Umsicht! Lassen Sie uns offen sein für neue Technologien, die sich aus Bestehenden entwickeln!“, forderte Butz vor Vertretern aus Politik, Handwerk, Wirtschaft, dem Bildungssektor und von Verbänden. Eine derart komplexe gesamtgesellschaftliche Aufgabenstellung lasse sich nicht mit der alleinigen Fokussierung auf Strom als Energieträger lösen.

Für Baden-Württemberg erwartet Butz wertvolle Ergebnisse aus der Evaluierung des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes. Im Vorfeld habe der Fachverband bereits Vorschläge eingebracht, wie die Streichung der Leistungsgrenze für die Anerkennung von Bio-Öl und Bio-Gas sowie einen Effizienzbonus beim Einbau energieeffizienter Heizkessel. Wichtig sei darüber hinaus vor allem eine Motivationskampagne durch das Land, ferner könnte auf Bundesebene die steuerliche Förderung von energetischen Modernisierungen positive Anreize für Hausbesitzer schaffen.

Podiumsdiskussion mit Umweltminister Untersteller

Der Klimaschutzplan und das EWärmeG waren auch die zentralen Themen einer Podiumsdiskussion am Samstagvormittag, zu deren Auftakt der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller einen Impulsvortrag hielt. Moderiert vom Chefredakteur des SBZ-Fachmagazins Dennis Jäger diskutierten Minister Untersteller, der Fachverband-Vorsitzende Joachim Butz, Frank Jäger, SHK-Unternehmer aus Karlsruhe, und der Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) Uwe Glock über die Zukunft der Gebäudeheizung.

„Mut tut gut“

„Mut tut gut“ – so das Credo des Festredners Johannes Warth, der die Gäste der Öffentlichen Mitgliederversammlung bestens unterhielt. Mit Musik, Artistik, Wortspielen und jeder Menge Humor verdeutlichte der Entertainer, wie wichtig die richtige Einstellung ist für die Verwirklichung persönlicher und unternehmerischen Ziele: „Was man sät, erntet man.“ Und so sei entscheidend, mit welcher Ausstrahlung man als Unternehmer morgens im Betrieb starte. „Das was Sie jeden Morgen im Spiegel sehen, müssen Ihre Mitmenschen den ganzen Tag ertragen“, so Warth augenzwinkernd. Sätze wie „Das haben wir schon immer so gemacht“ passten nicht zu freiem unternehmerischen Denken und Handeln. Am Beispiel einer Jonglage zeigte der selbsternannte „Ermutiger“, dass man Neues schlichtweg versuchen muss. Und auch wenn die Bälle eins um andere Mal purzeln, gelte es, sie aufzuheben und ein weiteres Mal zu üben. „Investieren Sie in eine Sache, wenn Sie sich dafür begeistern, auch wenn Sie nicht gleich zum Erfolg führt.“

Ehrungen für engagierte Handwerker


Erfolgreich und leistungsstark hat sich auch wieder einmal der Berufsnachwuchs beim Praktischen Leistungswettbewerb des Handwerks 2016 gezeigt. Der Anlagenmechaniker SHK Dominik Hertenberger aus Ehingen, die Ofen- und Luftheizungsbauerin Katharina Ebi aus Badenweiler und der Behälter- und Apparatebauer Kevin Kirr aus Stuttgart-Fellbach wurden als Landessieger vom Fachverband bei der Öffentlichen Mitgliederversammlung geehrt. Letzterer hatte zudem noch den Sieg auf Bundesebene erzielen können.

Bereits viele Jahre aktiv in ihrem Gewerk und für die Belange der Berufsorganisation sind Achim Thiel von der SHK Innung Zollern-Alb und Peter Stelzer von der SHK-Innung Aalen. Beide Ehrenamtsträger wurden für dieses Engagement im festlichen Rahmen mit Silbernen Ehrennadeln geehrt.

Wasser, Wärme, Luft – auch beim Rahmenprogramm

Wer neben all den gebotenen Fachthemen noch Muße fand, nutzte den Festabend unter dem Motto „Ein Sommernachtstraum“ oder die Schiffsrundfahrt auf dem Bodensee, um die Seele baumeln zu lassen. Passend zum Bodensee als dem größten Trinkwasserspeicher Europas war die Ausstellung des Zentralverbandes SHK zu dem internationalen studentischen Plakatwettbewerb „Wasser ist Leben“ im Kursaal zu sehen. So war wirklich für jeden Gusto etwas geboten.